Solange die Menschen nicht genug zu essen haben, hungern
sie körperlich. Sind sie aber satt, hungern sie seelisch, weil
"der Mensch von Brot allein nicht lebt"! Man muß mit den 
Menschen leben, die man hat, andere findet man nicht.

Menschen, die nicht mehr kämpfen, sind wie ein Zug auf
einem Abstellgleis.
Leute, die nicht mehr aufbegehren, resignieren, alles hinnehmen,
das ist unser Untergang!

Man muß tätig sein! Wie demütigend der Gedanke, daß diese
alte Erkenntnis immer wieder vergessen wird und immer wieder
mühsam erworben werden muß. Meine Widersprüche zermürben 
mich, ich muß lernen, mit ihnen zu leben mich von ihnen nicht 
unterkriegen zu lassen.  ... Nicht auf die Erleuchtung warten,
auf die Reinheit der Seele. Niemals wird man dahin gelangen.
Was zählt ist Tätigkeit!

Wichtig ist zu zeigen, wie die Menschen leiden, weil sie nie
machen können, was sie wollen (falls sie das überhaupt wissen),
und weil ihre ungenutzten Kräfte verdorren, weil sie leben wollen
und zum Nichtleben verurteilt sind, von einer blinden,
erbarmungslosen Umwelt, weil ihr inneres Gesetz umsonst ruft
und nicht gehört - und meist nicht verstanden wird.

 
 

 

 
 

Maxi Wander, "Tagebücher und Briefe"
(Buchverlag Der Morgen Berlin, 1979)

 
     
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