Ohne Reue 

Benutze ich den Geist nur – nicht das Auge
bin ich blind in einer Welt der Farben –
wo ich mich der Sinne so beraube –
ergießt sich Blut aus allen Narben –

Die Ohren bleiben taub – der Mund geschlossen –
das Mondlicht kalt – der Sonnenstrahl verborgen –
der Seele ungetrübte Reinheit wird vergossen
in einer Zeit da schon die Kinder morden – 

Gelegentlich wenn ich erwache –
aus tiefster Inbrunst meine Augen reibe –
erkenne ich den Kern der Sache –
mit der ich mir die Zeit vertreibe – 

Gelogen hat mein Nachbar und mein Freund –
gestohlen wurden meine Kinderträume –
man hat die Herzen ausgeräumt –
und hängt sie an die Weihnachtsbäume –

Die ungetrübte Schar der kleinen Augen
die sehen und den Schrei nicht scheuen – 
erhalten sich den großen glauben –
die Folgen dieses Schreis nie zu bereuen -

Günter Scheibel, Füssen
(ausgesucht von Thomas Schramm)


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