Dichterin  
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  Sie wohnte in einem kleinen Zimmer  
  gleich am freeway, und sie schrieb  
  wie ein Mann - wie einer, der in den  
  Docks arbeitet -;ich  
  erzählte ihr, ich hätte mal wieder  
  eine Sauftour hinter mir, und ich  
  müsste mir die Zehennägel schneiden  
  (sie taten mir wirklich weh), und es  
  gäbe eine Menge Leute, die mir  
  auf die Nerven gingen, schlimmer  
  als ein kaputtes Handschuhfach,  
  und sie kam her und küsste mich,  
  fragte, ob ich Kaffee wollte und  
  ob ich schon was gegessen hätte,  
  und dann sagte sie, ihr Radio sei  
  futsch, es sei ihr runter gefallen,  
  und ich griff mir ein Messer und   
  bearbeitete damit die Schrauben an  
  der Rückwand.     
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                       Sei vorsichtig, sagte sie  
  da steht, man kann einen Schlag kriegen;  
  und ich sagte zu ihr: ich bin un-  
  sterblich, mich bringt so leicht  
  nichts um.  
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                       Sie stellte eine Tasse  
  Kaffee und ein Käse-Sandwich vor mich  
  hin, und ich drückte im Radio die   
  wackeligen Röhren wieder rein, kaputt  
  schien keine zu sein, aber dann  
  wurde es Zeit fürs erste Rennen und ich  
  sagte: Mensch, ich hab keine Zeit!  
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                        Wenn du unsterblich bist,     
                        sagte sie, dann hast du  
                        jede Menge Zeit  
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  Ich aß den Käse-Sandwich und trank den  
  Kaffee.  
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                        Bis heute abend, sagte ich,  
                        ich reparier dir das gott-   
                        verdammte Ding heute abend!  
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  Ich kletterte aus dem Fenster und in   
  meinen Wagen, und in der Nachmittags-  
  sonne hatten der Parkplatz und der  
  Staub und Dreck und alles so einen  
  weichen gelben und braunen Schimmer,  
  und die Weinranken am Zaun rochen   
  grün, oder wie eben Grün so riecht, und  
  ich setzte rückwärts raus, winkte ihr  
  durch die Windschutzscheibe zu, und sie  
  stand am Fenster, lächelte und winkte,  
  und ich fuhr im Rückwärtsgang den Weg  
  runter, bog in die Straße ein, drückte  
  den Automatikhebel nach vorn, fuhr los  
  in Richtung Freeway, überlegte, was ich  
  getan hatte oder versäumt hatte, mit  
  dem Radio oder mit ihr, kam mir vor  
  als hätte ich eine Armee im dicksten  
  Schlamassel im Sich gelassen, aber dann  
  schnitt mich so ein Kerl in einem Volks-  
  wagen, und ich vergaß alles und trat  
  das Gaspedal durch und raste ihm nach.  
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  Charles Bukowski  
  (aus Charles Bukowski: "Western Avenue", Gedichte 1955-1977
Deutscher Taschenbuchverlag München, 1992)
 
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